Rostock




Gedankenentsorgung




Es war eine ganz spontane Idee, meinen Sohn nach der Schule aufzugabeln und mit ihm gleich mal zur Baustelle der Tesla Gigafactory zu fahren. Als junger Tesla und Musk-Fan habe ich damit genau ins Schwarze getroffen. Auch wenn es noch nicht so viel zu sehen gibt, als eine gewöhnliche Baustelle so war es für ihn wohl weitaus mehr. Immerhin konnten wir mal wieder ein gemeinsames Erlebnis teilen, denn soviel Auswahl, was man unternehmen kann, hat man ja derzeit nicht so.


Freitagabend und auf die Fortsetzung meines digitalen Abendteuers habe ich mich eigentlich schon den ganzen Tag gefreut. Abtauchen in eine andere Welt und damit für ein paar Stunden die Probleme des Alltags gegen schnell lösbare Probleme in einem Spiel eintauschen, wirkt wie ein kleiner kurzer Urlaub von der Wirklichkeit einer aus den Fugen geratenen Welt.

Depressiv und nachdenklich kommt mir dieser Freitag entgegen. Was heute erst noch sehr stressig startete läuft langsam aus und wird ruhiger. Ein paar Momente um sich ein wenig ins Wochenende einzustimmen und diese Woche abzuhaken….die wieder einmal wie im Flug vergangen ist.





Wenn mir das erste Mal wirklich auffällt, wie früh es jetzt schon wieder dunkel wird. Die Zeitumstellung letzten Sonntag hat mich gefühlt gleich viel weiter in die dunkle Winterjahreszeit hineinkatapultiert. Freue mich irgendwie jetzt schon auf den Moment , an dem ich das erste Mal bemerke das die Tage wieder länger werden, auch mit der starken Hoffnung das diese dann mal wieder ein normales und unbeschwertes Jahr mitbringen.

Kleine Runde an der frischen Luft. Zeit zwischen zwei Terminen perfekt genutzt.

Dieser Herbst könnte so schön sein. Mit seinen hellen und goldenen Farben. Die Tage werden kürzer und die Vorfreude auf die Weihnachtszeit naht. Ist es aber nicht. Noch immer bestimmen andere Dinge unser Leben und versperren die Sicht auf die Dinge, die jetzt Ruhe und Freude spenden könnten.




Bin ja schon oft in der Stadt unterwegs und daher fallen mir schleichende Prozesse eigentlich nicht auf. Aber wenn ich das heutige Stadtbild mit dem in meiner Erinnerung vergleiche, dann ist in Berlin deutlich weniger los. Vergleiche ich das Bild mit dem vor einem Jahr, dann wirkt selbst die Stadtmitte sehr ausgestorben und viel leerer , Corona zeigt seine Wirkung. Es dürften auch kaum noch Touristen in der Stadt sein unf von den Berlinern , die sonst so das Gesicht der Stadt prägten, scheinen sich auch etwas zurück zu ziehen. Die Stadt im Würgegriff der Pandemie…ein trauriges Bild und ich hoffe das Corona nur eine Phase ist, die wir überstehen müssen und keine neue dauerhafte Realität wird.

Nach der Arbeit gestern nochmal ein bisschen raus..Bewegung an der frischen Luft…Es wurde dann ein fast zweistündiger Spaziergang mit 10,5 Kilometern. Aber es tut gut, so nach und nach das alte Leben hinter sich zu lassen und so langsam wieder in Form zu kommen und damit mit einem besseren Körpergefühl belohnt zu werden.


Jedes Jahr , immer Ende Oktober bin ich hier. Ein stabiler Punkt und stabiler Zeitpunkt um zu erkennen, das wieder ein Jahr vergangen ist. Wieder ist es Herbst und eigentlich Zeit, den vergangenen Sommer schonmal zu resümieren. Dieses Jahr muss ich feststellen, das dieses Jahr echt fast alles anders gelaufen ist und ich blicke heute eher nach vorn als zurück. In einem Jahr werde ich wieder hier sein und schon heute frage ich mich, ob ich bis dahin mein altes Leben wieder zurück habe, oder ob sich da noch alles so ist wie heute..im Corona-Wahnsinn?
Es herrscht Stille am Stadion, an dem ich sonst kaum ein Heimspiel versäumt habe. Immer öfters überkommt mich das Gefühl, das genau das mir immer mehr fehlt. Das Leben liegt brach und es fehlt das, worauf man sich in der Arbeitswoche vorfreuen kam.



