Weed
Noch nicht einmal zwei Monate her ist es, als ich (auf mein neugieriges Bitten) einen Freund bat, mir die Cannabis-Welt mal nachvollziehbar näher zu bringen.
Wie bei allen anderen psychonautischen Selbstversuchen vorher, ging es mir in erster Linie darum, lebensbejahend meinen Horizont zu erweitern und Wissen und Erfahrungen zu mehren.
Da ich der Meinung bin, das man sich eine feste Meinung nur bilden kann, wenn man sich die Sache so nah wie möglich angesehen hat.
So hat ein Asienreisender dem Asienträumer immer etwas voraus.
Ich kann mich noch an meinen ersten Weed-Eindruck erinnern, das ich es angenehm empfand, aber auch etwas Kreislaufmäßig, kam aber zu dem Schluß, das dieses Gefühl nicht das ist, auf was ich von nun an nicht mehr verzichten wollte.
Trotzdem ging der Konsum weiter und ich bemerkte an mir selbst, das sich der Körper erst nach und nach auf diese Substanz einzustellen schein. Von Mal zu Mal konnte ich irgendwie mehr damit umgehen und es fühlte sich so an, als müßte ich dafür erstmal „freigeschaltet“ werden.
Von Mal zu Mal wurde also der Effekt eindeutiger, was irgendwie auch ne Kopfsache ist, da man sich nicht mehr so auf die Wirkung selbst konzentriert und irgendwie schon weiß, was einen erwartet.
So macht es dieses Gewohnte erst zu einem angenehmen Vergnügen, von dem ich denke, das ich dieses regelmäßig brauche, aber finde ich in meinem Leben Situationen, wo dieses Gefühl sehr gut reinpasst.
Hätte nicht gedacht, das es sich hierbei um eine Substanz handelt die scheinbar erst ein paar Anläufe braucht um das was sie bezwecken soll bewirken kann.
Freitag
Und wieder Freitag, und diesmal kein ruhiger und meditativer, sondern einer mit Spätdienst, Stress welcher mir dann noch Kopfschmerzen zum Wochenende bescherte.
Nach einigen Schmerztabletten bin ich nun in der Phase, in der es sich so angenehm anfühlt, wenn der Schnerz sich in Nichts auflöst und die Erkenntnis zurück bleibt, was es doch für ein Geschenk ist, ohne Schmerzen leben zu dürfen.
Ab und zu mal Gedanken machen, über das, was schon allzu selbstverständlich vorausgesetzt wird.
Piss off Tag
Heute ist einer dieser seltenen Tage, an denen ich scheinbar grundlos gereizt bin.
Subjektiv verlief dieser Donnerstag einfach nur so komplett gegen mich, denn überall sah ich Enttäuschungen, Ärger und Angriffe gegen mich. Ernüchterung und Unzufriedenheit sind die Wege, die heute in eine kleine Frustration führten.
Beim kleinen Nachdenken über die so ungerechten Dinge des Tages, komme ich zu dem Schluss, das die Dinge, die mich heute so nervten und aufregten auf den zweiten Blick gar nicht so dramatisch sind und wahrscheinlich durch meine gereizte Grundstimmung an diesem Tage von mir subjektiv auch nur verzerrt wahrgenommen wurden.
Es ist immer der Blick auf die Dinge ,die ihnen dann für einen selbst eine Eigenschaft geben. Betrachtet man zufrieden eine Blume, so ist es eine schöne Rose, hat man einfach nur schlechte Laune, ist es ein blühender Stacheldrahtstamm.
Die Erkenntnis, das es sich bei dem ganzen „Müll“ heute, der mir wiederfahren ist, wahrscheinlich nur deswegen um Müll handelt, da ich ihn NUR heute als Müll wahrnehme, läßt mich diesen höchst unzufriedenen und frustrierenden Tag als solchen einfach so akzeptieren.
Frei unter dem Motto, es kann nicht jeden Tag die Sonne scheinen, habe ich heute nur einen Regentag und ich erinnere mich daran, das dieser Regen keine bleibende Schäden verursachen wird und ich ihn somit einfach auch mal hinnehmen muss.
Wahrscheinlich auch, um mich über den nächsten Sonnentag in meinem Leben auch wieder richtig freuen zu können, denn da wo immer Sonne ist, ist sie halt alltäglich und über Sonne freut man sich am meisten…nach dem Regen.
Also..Tag bitte geh dann jetzt und wink den nächsten durch.
Ostern naht
Powerhuhn
Dresden
Und wieder zurück in Dresden, diesmal „nur“ zum Fußball.
Mir war schon vorher klar, das dieser Tag wieder einer wird, an den ich noch lange denken werde und mir selbst sagen werde, gut das ich dabei war. Unterwegs mit Freunden ist immer ein Erlebnis, was sich erst nach und nach setzt.
Wiedermal einen schönen Tag erlebt, das ist das was bleibt. In 10 Jahren wird sich keiner mehr an den Spielausgang erinnern können, aber das er dabei war und was wir zusammen erlebt haben, bleibt.
Seelenbalsam
Seit dem Tod meiner Ex-Freundin , die noch zu Lebzeiten mir eine sehr gute Freundin geworden ist, schreibe ich mich wieder häufiger mit einer Freundin , zu der schon zu lange nur sporadischer Kontakt herrschte.
Auch mit ihr war ich vor vielen, vielen Jahren mal zusammen und auch mit ihr ging ich auf diese höheren Ebene einer Freundschaft, wenn man die Phase der emotionsgeladenen Liebesbeziehung einfach abgeschlossen hinter sich hat, kann daraus manchmal was ganz besonderes entstehen.
Man versteht sich einfach gut, fast noch besser als vorher. Alles ist so vertraut und wenn noch die Frage, ob es nicht auch für eine Beziehung reicht, schon gescheitert geklärt ist, steht einer Freundschaft zwischen Mann und Frau eigentlich nichts im Wege. Wahrscheinlich muss man aber diese ganzen Phasen hinter sich haben, um diesen Schritt gehen zu können.
Nun also der Kontakt zur anderen Ex-Freundin , die heute einfach meine beste Freundin ist, tut mir in dieser Offenheit und Direktheit richtig gut.
Auch wenn dieser Kontakt derzeit nur über Mail funktioniert, reicht das schon aus um sich einfach mal voll verstanden zu fühlen und sich mit einem Menschen auszutauschen bei dem man mal alles genauso rauslassen kann, wie einem das gerade durch Mark und Seele geht.
Ein offenes Ohr (oder die Zeit zum Lesen und Beantworten meiner Mails) tut mir in diesen Tagen so gut, das sich mir mal jemand annimmt ,der mich gut genug kennt um wirklich das herauszulesen was ich damit wirklich sagen will.
Bin so froh, das ich nach der gescheiterten Beziehung mit dieser Frau eine so magische Freundschaft retten konnte, in der man sich manchmal ganze Jahre kaum über irgendwas austauscht und dann im Notfall anruft und sofort auf so offene Ohren trifft, als wäre man seit Jahrhunderten so dicke befreundet.
Bin fasziniert, das es wirklich elementare Freundschaften gibt, die muss man nicht pflegen, sie sind einfach von alleine da , wenn man sie braucht….und man ist sofort da, wenn man gebraucht wird.
So ist dieser verständnisvoller Kontakt genau das Netz, das ich in meiner Trauerarbeit gerade brauche und ich sehe es als göttlich an, wenn man mir immer genau das reicht, was ich dann in dem Augenblick genau brauche.
Acht Jahre
Es ist wieder Freitag Anfang Februar, und neben all den Dingen die mein Leben derzeit so beherrschen, fällt mir jetzt an einem typischen gedankenverlorenen Freitag ein, das ich nun schon acht Jahre für diese Firma arbeite.
Im Februar eigentlich als Notlösung gedacht, wie bei so vielen anderen Jobs auch, bin ich nun schon seit acht Jahren hier und damit deutlich länger als überall sonst bisher.
Ich weis gar nicht mehr, wann aus der Übergangslösung soviel Bequemlichkeit wurde, das man einfach irgendwann zu eigenfahren ist, sich aus der gegebenen Situation zu lösen, um das zu tun, was man schon immer vorhatte.
Heute bin ich mit dem Thema eigentlich durch, denn ich habe akzeptiert, das ich wahrscheinlich nichtmehr meine eigene Komfortzone verlassen werde, um irgendwelche Dinge anzupacken, für die mir einfach der Mut und vor allem die Energie fehlt.
Das Leben im Alltag einer Übergangslösung ist nicht immer das schlechteste , denn das Leben ist planbar und berechenbar, vor allem finanziell.
Die neuen Ufer, zu denen ich mal aufbrechen wollte, muß ich einfach auf anderen Wegen und anderen Lebenslagen finden.
Asiatisch Essen
Schnee am letzten Tag
Wenigstens ein Tag mal richtig Winter. Auch wenn es schon wieder überall wegtaut, gibts wenigstens einmal das Konplettbild eines richtigen Winters.
Jetzt am letzten Tages des Monats bin ich ganz froh, das ich diesen verkorksten Januar hinter mir lassen kann. Irgendwie immer etwas gesundheitlich angeschlagen gewesen war dies auch der Monat der Trauer. So hoffe ich , das mit dem Wechsel des Monats auch ein neues und wieder besseres Lebensgefühl Einzug hält, so das ich zu diesem Verlust eine gewisse zeitliche Distanz aufbauen kann.
Trauriger Geburtstag
Heute hättest du Geburtstag, noch nicht einmal eine Woche nach deiner Beerdigung. Heute ist der Tag an dem ich dir manchmal herzlich gratuliert habe und manchmal nur still an dich gedacht habe, je nach dem Verhältnis was wir gerade zueinander hatten.
Viel wünschen kann ich dir an diesem Tage nichts mehr, außer mich einfach daran erinnern. Schön, das es dich gab. Danke dafür, das wir uns begegnet sind.
Kinderfrei
Es ist wieder soweit. Die Winterferien sind da und die Kids verbringen diese bei meinen Eltern, was uns eine kinderfreie Woche beschert.
Eigentlich wäre es jetzt Zeit für alle die Dinge, die man sonst nicht machen kann, weil man ja noch Kinder zu Hause hat. Nach der Arbeit noch weggehen, mit Freunden treffen oder ähnlichem…
Soweit die Theorie, aber heute haben wir den ersten kinderfreien Tag dazu genutzt um mal ganz früh ins Bett zu gehen, ohne das man sich noch um irgendwas oder irgendjemand kümmern muss.
Hat auch was.
Unser letzter Kontakt
Es war an einem Tag wie heute, an dem ich (fast) allein zu Hause war und irgendwie die Langeweile vorm Rechner beim Surfen bekämpfte.
Ein paar Bier dazu, nutzte ich diesen Moment auch mal als kleine Auszeit von dem sonst eh zu vollgepacktem Leben, was ich mir manchmal aufzwinge.
So war es dann auch so, das wir zufällig in einen Chat starteten. Sicherlich hätten wir auch einfach telefonieren könnten, aber gerade das mit dem Chat hatte sich so ergeben das man sich noch am Anfang der Unterhaltung schrieb, wenn es gerade günstig war und antwortete, wenn einem etwas als Antwort einfiel.
Mit fortschreitendem Abend wurde das kommunikative hin und her immer schneller und auch ehrlicher und vertrauter.
Vielleicht wagt man sich mit Fragen und Antworten oder auch mit Offenbarungen in schriftlicher Kommunikation doch etwas weiter heraus, als hätte man sich gegenüber gesessen.
Ich weis nur noch, das wir eigentlich über alles gesprochen hatten, was uns beiden irgendwie auf den Nägeln brennt und alles, was irgendwie mal gesagt werden mußte oder was der Andere endlich mal so von einem hören/lesen sollte.
Danach hatte ich das Gefühl, das wir uns das erste Mal in unserer gemeinsamen Zeit das erste Mal überhaupt die nackte Wahrheit ins Gesicht geworfen, ohne Vorsicht und ohne Bedenken.
Vielleicht lag es auch daran, das wir nach der ganzen Zeit die wir uns nun kennen, nicht mehr die Gefahr besteht, das man sich gegenseitig schnell verletzten kann.
Somit fand ich mich nach diesem Austausch endlich mit dir in einer Freundschaft angekommen. Bei jedem zerbrechen einer Liebe machen einem die Gefühle fast immer einen Strich durch die Rechnung, als das man einfach so als Freunde weiter machen könnte.
Es sei denn man läßt einfach genug Zeit vergehen, wo dann alles so weit weg liegt, das man sich nochmal neu begegnen kann und dann manchmal wirklich eine Freundschaft beginnen kann.
Eine Freundschaft in der man sich nicht nochmal neu kennenlernen muss , weil man kennt sich schon gut genug ,aber man hat dann die Chance die Begegnung im Leben auf eine andere Ebene zu heben.
So warst du für mich nicht mehr die Ex zu der ich seither ein gespanntes Verhältnis hatte, sondern dann ein Freund mit dem ich endlich Reinen war.
Seit drei Wochen bist du nun schon tot und ich habe zwar irgendwie meine Ex Freundin verloren , mit der ich einen schönen Teil meines Lebens verbracht habe, aber auch irgendwie einen Menschen , den ich gerade erst als Freund gewonnen hatte.
Erst jetzt begreife ich, das du es da schon wußtest, das dir nichtmehr viel Zeit bleibt und ich denke du hast es mir bewußt verschwiegen.
Das was ich als sehr tiefes Gespräch empfunden habe, das man sich endlich mal schonungslos alles sagte, war für dich ein letztes tiefes Gespräch um hier keine offenen Fragen zurück zu lassen.
Vielleicht war es gewollt, vielleicht war es Zufall, das wir Wochen vor deinem Tode nochmal so ein Gespräch und so einen Austausch führen konnten, der uns beiden mit dem Gefühl entlassen hat, das alle Unklarheiten zwischen uns endlich geklärt sind.
So tief die Trauer über deinen Tod in mir auch sitzt, in Gedanken an diesen Austausch (der mir nun immer wieder über die Seele rennt) empfinde ich eine große Dankbarkeit, mit dir nochmal diese Nähe gehabt zu haben, diesen Gedankenaustausch zu führen, der mich nun viel zufriedener und ruhiger werden läßt und kein „Das hätte ich ihr noch sagen wollen“ zurück läßt.
Sollte dieser Moment kein Zufall gewesen sein, dann danke ich dir dafür, das du mir am Ende alle Fragen beantwortet hast und mir somit meinen Frieden gegeben hast.
Samstagabend…anders als geplant
Eigentlich sollte ich gerade mit meiner Frau durch Dresden laufen und vielleicht später noch lecker essen gehen, bevor wir dann am Abend ein Konzert besuchen, anschließend in der Elbmetropole übernachten und uns morgen spontan noch irgendwas in der Umgebung ansehen.
Stattdessen sitze ich wieder zu Hause, allein, denn der Gesundheitszustand unseres Sohnes hat sich nicht so weit verbessert, das wir ihm es zumuten können, das Wochenende bei meinen Eltern zu verbringen.
Da er ein ehrlicher Mensch ist, weiß ich auch genau, das wenn er sagt, das es ihm noch nicht so gut geht, das es auch wirklich so ist und kein vorgeschobene Ausrede ist, um hier weiter vor TV und Playstation zu verweilen.
Nach der ersten inneren Enttäuschung und einigem hin und her überlegen bin ich zu dem Schluß gekommen, das meine Frau die Möglichkeit nutzt, wenigstens das Konzert wahrzunehmen und ich mich hier um den Kranken kümmere.
Dieses bietet sich an, da außer uns noch Freunde dort hinfahren und sie dort noch unterkommen kann.
So fällt zwar unsere gemeinsame Übernachtung und unsere gemeinsame Zeit und ein weiteres gemeinsames Erlebnis ins Wasser, aber dafür haben wir nun mal Kinder und mit sowas muß man immer rechnen.
Obwohl sie gestern ebenfalls schon unterwegs war, und ich hier trotz meiner Heimspielplanungen zu Hause auf die Kids aufgepasst habe, war es mir wichtig, das sie es heute wieder ist, die die von uns beiden ist, die raus ins Leben geht und ich hier zurückstecke, allein weil ich denke, das sie diese Glücksmomente im Leben und den kleinen Austritt aus dem Alltag derzeit nötiger hat als ich.
So wäre es Quatsch, wenn wir jetzt beide zu Hause sitzen und auf ein verkorkstes Wochenende zurückschmollen, für das keiner etwas kann und so herrscht zumindest das Gefühl, irgendwie noch das Beste draus gemacht zu haben.
So ist für mich aus einem geplanten zugepackten Wochenende ein Wochenende auf der Couch geworden und mich tröstet die Tatsache etwas darüber hinweg, das sie wenigstens die Zeit geniessen konnte und ich ihr das ermöglicht habe.
Ich bin mir sicher, das dies eine richtige und gute Entscheidung war, dem Menschen, den man liebt, einfach mal den Vortritt zu lassen und ihm einen schönen Abend zu gönnen.
Ich bin mir sicher, irgendwann kommt im Leben alles auf einen zurück.
Freitagabend
Freitag der 27.Januar, erster Spieltag nach der Winterpause.
Diesen Tag hatte ich mir rot im Kalender angestrichen, und dem Tag entgegengefiebert, wenn der Fußball endlich wieder rollt.
Nun sitze ich allein zu Hause, gewollt.
Irgendwie kam doch alles anders und ich muß mir eingestehen, das der Abschied für immer von meiner (Ex) Freundin am Mittwoch mich doch mehr mitgenommen hatte, als ich das von mir erwartete.
Zum zweiten begleitet mich seit Wochen eine kleine Erkältung oder kleine Allergie, so genau ist das zeitweise Niesen und Schniefen nicht ganz einzugrenzen.
Hatte mich nun dazu entschlossen, ein Allergieblocker zu nehmen, mit dem Resultat das nun diese Beschwerden verschwunden sind, was mir zumindest die Gewissheit gibt, woher das Schnupfen der letzten Zeit kam.
Aber irgendwie bin ich trotzdem nicht in Party und Feierstimmung, fühle mich immer noch in der Ruhe wohler als im Trubel und deswegen war es heute wahrscheinlich die beste Entscheidung, heute zu Hause zu bleiben und seelisch gesehen noch zu ruhen und Kraft zu tanken.
In Anbetracht der Tatsache, das ich morgen eh wieder unterwegs sein werde, wollte ich meine Kräfte irgendwie nicht schon heute ausschöpfen, sondern sie lieber für morgen aufsparen, das ist mir irgendwie wichtiger.
Da jemand eh beim kranken Kind bleiben muss, habe ich somit meiner Frau einen freien Abend zur freien Unternehmung eingeräumt, so kann irgendwie heute jeder für sich das tun, was ihm heute gut tut.
Sonnentag
Der Frühlingsvogel
Es ist Freitag und es ist kein stiller Wintertag wie in den letzten Wochen.
Sehr früh, doch ich kann ihn deutlich hören, den ersten Frühjahrsvogel, der mit seinem Gesang sich unter die kleine Geräuschkulisse mischt und mit seinem typischen Ton den sonnigen Tag heute noch etwas optimistischer aussehen läßt.
Den ersten Vogel, dessen Gesang ich auf dem Weg in den Frühling wahrnehme, ist für mich der Frühlingsvogel, der dann irgendwie verkündet, das die Eiszeit bald vorbei ist und wir einen frühen Frühling bekommen werden.
Die Sonne heute am fast wolkenlosen Himmel tut ihren Teil dazu bei.
Wochenende
Und wieder einmal ist es soweit, denn unser Sohn kam gestern schon mit einem kräftigen Infekt nach Hause, der auch heute noch nicht weg ist.
Somit habe ich heute das Los gewonnen mit dem kleinen zu Hause zu bleiben, was mich für den Rest der Woche aus dem Arbeitsleben wirft und mich schon heute ins Wochenende schickt.
Auch wenn es immer etwas ungewohnt ist, aus dem gewöhnten Alltag geworfen zu werden, ist es natürlich hauptsächlich ein angenehmer Nebeneffekt, jetzt schon die Beine hochlegen zu können und etwas entspannen zu können, bevor man sich ins Wochenende schmeißt, das dann kräfteraubend genug sein wird.
Zwei Tage Bonus nehme ich gern mit. Das ich die versäumten Stunden dann auch irgendwann wieder rausarbeiten muss, kann ich eh nicht ändern, also genieße ich erstmal meine freie Zeit.
An deinem Grab
Heute war es soweit und dein Beerdigungstermin fand heute statt.
Wie geplant, ließ ich deinen engsten den Vortritt und entschied mich bewusst dagegen, heute in einer Traube Menschen zu trauern, die ich nicht kenne oder so lange nicht gesehen habe, das man schon fremd sagen kann.
Trotzdem war es mir heute ein Bedürfnis, heute an diesem Tag dein Grab aufzusuchen und ganz persönlich, allein und in aller Stille von dir Abschied zu nehmen.
Die zwei Rosen gebundenen Rosen sind von mir und symbolisieren die zwei Jahre, die du an meiner Seite warst und ich dir heute damit danke, mir diese schöne Zeit geschenkt zu haben.
Jetzt im Anblick deines Grabes kommt die Realität deines frühen Todes erst richtig bei mir an.
Sicherlich liegt der Gedanke, das es dich nicht mehr gibt, seit deinem Todestag in meinem Hirn quer, aber ein Grab ist dann doch was anderes. Plastisch, greifbar, real und nun verstehe ich auch, warum man solche Orte braucht. Zum einen kann man kaum direkter mit dem Ende konfrontiert werden und zweitens, diejenigen, die noch nicht so schnell vergessen können, haben einen Ort.
Mir persönlich ist es sehr wichtig diesen Ort zu haben und auch wenn es sehr schwer fiel, dich heute dort zu besuchen.
in den wenigen Minuten in denen ich dort stand, schienen alle unseren gemeinsamen Momente im Eiltempo an mir vorbeizufliegen und ich erkannte, das es das schmerzhafteste ist, was ich momentan fühlen kann, das mit dir ein Teil meiner Vergangenheit sich soweit verändert hat, das es sich sehr traurig anfühlt, das ich nun mit unseren gemeinsamen Erinnerungen allein bin.
Selbst wenn wir uns lange aus dem Weg gegangen sind und selbst dann wenn wir uns nie wieder kontaktiert hätten, wäre unsere gemeinsame Vergangenheit doch immer ein Teil von uns beiden und auch wenn wir uns in unterschiedlicher Stärke daran erinnert hätten, hatte man doch immer das Gefühl, das man jede dieser Erinnerung teilt und es immer ein Gegenüber gibt.
Jede gemeinsame Erinnerung ist immer nur ein Teil des ganzen und irgendwie nur zusammen gültig, ob man davon nun Gebrauch macht oder nicht.
Nun sind unsere gemeinsamen Erinnerungen gefühlt, ganz allein meine Gedanken und damit irgendwie nur noch die Hälfte wert..oder noch weniger.
Erschreckend und mahnend zugleich akzeptiere ich den Fakt, das nur geteilte Erlebnisse und Gedanken, wirklich wichtige und beständig wertvolle sind.
Auch wenn meine Erinnerungen nun allein sind und es nie wieder ein „Weißt du noch“ geben wird, bleiben zumindest die alleingelassenen Gedanken meins und bestehen.
Nun hoffe ich auf die Zeit, die bekanntlich alle Wunden heilen soll.








